[written by Franzi] Auf dem Weg nach Boston war Jan ziemlich nervös. Wir wackelten zu dritt den Highway entlang, in einem für zwei Personen zugelassenen, altersschwachen Van und unebenen Reifen mit Jan auf einem Campingstuhl in der Mitte. Jedesmal wenn wir an einem Sheriff oder einer Highway Police vorbei fuhren, duckte sich Jan ziemlich tief in seinen Klappstuhl. Dem musste also ein Ende gesetzt werden und so entschieden wir uns nach langer Sucherei und etlichen Diskussionen rund um den Stuhl für ein etwas älteres, dennoch stabileres Modell aus Holz für 10$ aus einem 2nd-hand Shop. Da dieser aber nicht aus einem Ford-Ersatzteillager für Camper stammt, musste Jan seine semi-professionelle Säge auspacken und den Stuhl campertauglich sägen. Dabei machten sich einige Wirbel in Jans Rücken selbständig, doch was daraus folgen sollte, war uns zu diesem Zeitpunkt noch nicht wirklich klar. Wir – erst mal froh den Klappstuhl los zu sein – mussten nun noch die richtige Anschnalltechnik entwickeln. Nach einer anstrengenden Stunde im amerikanischen Hornbach (Jan setzte sich sogar mitten im Gang hin und testete die „Anschnallbänder), fiel die Entscheidung auf einen ca. 10cm breiten, 6m langen, knall-orangefarbenen Gurt, der nun mit viel Mühe, einigen Haken und etwas Gewalt von Jan so angebracht wurde, dass er als Sicherheitsgurt, wenn auch Marke Selfmade, durchgehen kann. Er erfüllt jedoch eindeutig seinen Zweck – derjenige, der sich angeschnallt hat, steckt so fest, dass er nicht mal mehr die Cola auf dem Armaturenbrett erreichen kann! Nun da wir alle beruhigt und sicher angeschnallt waren, nahmen wir uns vor endlich zum Acadia Nationalpark im Nordosten vom amerikanischen Bundesstaat Maine aufzubrechen. Doch dieses Glück sollte uns nicht vergönnt sein…Während der Fahrt auf dem Highway fing der Camper an immer unruhiger zu werden und das Wackeln schien nun nicht mehr nur von den unebenen Reifen zu kommen. Das kam uns ziemlich spanisch vor, also blieb uns nichts anderes übrig als rechts ranzufahren und nachzuschauen. Jan überprüfte die Reifen fachmännisch, doch auch jeder Laie kann aus einem eindeutigen Pfffffffff am hinteren rechten Reifen wohl die richtigen Schlüsse ziehen. Also hieß der nächste Stopp: Reifen wechseln – direkt am Straßenrand des Highways! Dies allerdings unter ständigen Windböen der vorbeirasenden Trucks und andauerndem Lärm, sodass die Kommunikation darunter eindeutig zu leiden hatte. Trotzdem schafften es die beiden Autofachleute den Camper mit einem Miniaturwagenheber nach gefühlten fünf Stunden anzuheben, den platten Reifen zu demontieren und den 8 Jahre alten/neuen Reifen aufzuziehen. Franzi saß lächelnd daneben und dokumentierte, ganz in ihrem Element als Paparazzi, das Geschehen mit der Fotokamera. Weiter ging es dann zum „AAA“, dem amerikanischen ADAC, der uns in ca. 2 Stunden zwei neue Reifen versprach. Wir gingen in der Zwischenzeit erstmal gemütlich im typisch amerikanischen Diner um die Ecke Mittagessen. Dies wurde Jans teuerstes Mittagessen auf der ganzen Reise. Wir, nun wieder voller Hoffnung, dass es jetzt ja gar nicht mehr schlimmer werden kann, fuhren weiter und kamen dann freitags endlich im Nationalpark an. Wir haben also für eine Strecke von insgesamt ca. 5 Stunden fast drei lange Tage gebraucht. Um uns von den Strapazen zu erholen, checkten wir für 2 Nächte im Campground ein und Verena und Franzi entschieden für den Rest vom Tag den Nationalpark per Camper unsicher zu machen. Dies allerdings ohne Jan, dessen Rücken keine Ruhe gab und vom vielen Sägen und Reifenwechseln nun endgültig erledigt war. Also legten wir Jan seine Grabkammer-Matratze auf den Campgroundboden, gaben ihm ein kühles Bier und sein neues Buch in die Hand und überließen ihn der wilden Natur für etwa drei Stunden. Während Verena und Franzi nun munter und lustig über Klippen stiegen, am Strand entlang spazierten und Bilder knipsten, lag Jan im Wald unter seiner Decke und kämpfte mit einzelnen mutigen Mosquitos, die dies allerding nicht überlebten. Nach einigen Überlegungen am Abend entschieden wir, dass ein Besuch beim Arzt wohl doch das Richtige wäre. Also gings am nächsten Morgen auf direktem Wege ins Mount Desert Hospital, denn irgendwann muss auch der härteste Mann mal zum Arzt gehen. Dort bekam Jan erst mal nach amerikanischen Vorschriften ein ID-Armbändchen, damit er nicht als namenloses Etwas verloren geht. Nach grundlegender Visite, die aus Fieber- und Pulsmessen und ganzen 80$ bestand, kam Jan nach stundenlangem Warten, in dem Franzi ihr gesamtes Rätselheft löste, zwar immer noch nicht komplett gesund, dafür aber eingerenkt und ausgeknackst aus dem Behandlungszimmer wieder. Den restlichen Abend verbrachten Verena und Franzi am Feuer mit einigen lustigen Spielen und viel Bier und Jan, ebenfalls mit viel Bier (dass ihm nebenbei erwähnt vom Arzt als Tablettenersatz empfohlen wurde), aber leider nur im Camper-Bett.
Als uns am nächsten Tag das Wetter einen gewaltigen Strich durch die Rechnung machte, setzte sich das lustige Dreiergespann mit festgezogenem Oranjegurt, gewechselten Reifen und halbwegs eingerenktem Jan in Richtung Kanadische Grenze in Bewegung, hoffend, dass die Pechsträhne, die mit Franzis Hydrantenbegegnung anfing, nun endlich ein Ende findet.
[written by Franzi]