(auch) ein ganz normaler Weltreisetag
written by admin am 18. November 2009 | archived in Südostasien, Thailand
5:00 Uhr
Der Handywecker auf dem Nachttisch des günstigen Guesthouses in Bangkok klingelt. Jan quält sich mühsam aus dem Bett, greift schlaftrunken zum Laptop. Um unsere ständig außer Kontrolle geratenen Kosten in den Griff zu kriegen, möchten wir eine günstige Fortbewegungsmöglichkeit in dem ohnehin schon viel teureren Australien nutzen.
Von ausländischen Kunden vorbestellte Wohnmobile müssen oft kurzfristig an den vom Kunden gewünschten Übernahmeort gebracht werden. Diese werden dann für 1$ am Tag – manche sogar incl. Sprit – auf einer Website angeboten, mit der Auflage diese Fahrzeuge innerhalb weniger Tage z.B. von Sydney nach Melbourne, von Adelaide nach Perth oder von Darwin nach Brisbane zu bringen. Diese so genannten „Relocation-Camper“ sind beliebt und schnell vergriffen. Eine täglich aktualisierte Liste steht ab 9:00 Uhr morgens zur Verfügung – australischer Zeit versteht sich und da ist es hier halt erst 5:00!
Jan stellt fest, dass auch heute unsere gewünschte Strecke nicht dabei ist. Aber morgen (wieder um 5:00) ist ja auch noch ein Tag…
7:00 Uhr
Eine putzwütige Thaifrau säubert den Raum nebenan und macht uns einmal mehr deutlich, dass die Wände hier aus Pappmaché sind. Es klingt, als würde sie direkt neben unserem Bett saugen.
7:30 Uhr
Das mit dem Schlaf können wir jetzt sowieso vergessen, denn unglücklicherweise liegen wir im Zimmer unterhalb der Treppe zum 1. Stock, die nun in immer kürzer werdenden Abständen betrampelt wird.
8:15 Uhr
Wir quälen uns aus dem Bett und wollen unseren Flug checken, der uns in wenigen Tagen von Bangkok nach Sydney bringen soll. Kein Internet? Haben wir gestern beim Check-In vergessen zu fragen und holen dies nun nach. Jawohl – „…today no intelnet, we ale vely solly…“ grinst uns der asiatische Putzteufel wedelschwingend an. Eine halbe Stunde später und zwei Blocks weiter im Internetcafe ist der Flug weder bei British Airways, noch bei Qantas noch sonst irgendeiner der zu Oneworld gehörenden Fluggesellschaften zu finden.
10:00 Uhr
Wir beschließen das Büro von BA persönlich aufzusuchen. Zurück im Hotelzimmer greift Jan stolz nach seiner gestern auf dem Markt für 199 Baht erstandenen Travellerhose, zieht sie an und prompt platzt der oberste Knopf. Verena fällt vor Lachen vom Stuhl, während Jan die mangelnde Qualität der Hose und nicht etwa eine tägliche Überdosis des leckeren asiatischen Essens für das Malheur verantwortlich macht. Eine zweite Hose ist nicht verfügbar, denn die Schmutzwäschetüte quillt über und wir haben uns aufgrund der ständig dicker werdenden Rucksäcke auf ein Minimum verfügbarer Klamotten reduziert. Auf dem Weg zum Büro von British Airways, welches in einem noblen Anzugträgerviertel Bangkoks liegt, wird noch ein Schneider für den Knopf und eine Wäscherei für die Schmutztüte gesucht.
12:30 Uhr
Jan steht in Badeshorts (es war ja keine andere Hose mehr sauber) im BA-Business-Building beim Pförtner, der ihn von oben bis untern missbilligend ansieht und dann widerwillig den Fahrstuhl ruft. Aufatmen, der Flug existiert noch und er wurde auch von unserem Ticket nicht gecancelt. Allerdings ist der Flieger zu unserem Wunschtermin ausgebucht und für Sonderwünsche (z.B. Umbuchungen) verlangt das Reisebüro einen Zuschlag. Kostenlos umbuchen könnten wir per telefonischer Hotline.
13:30 – 14:00 Uhr
Wir befinden uns auf der Warteschleife von British Airways, sind seit 20 Minuten auf Platz 1 und laufen Gefahr, die letzten Penny’s des Handykartenguthabens dort zu verblasen, bevor wir unser Anliegen deutlich machen können.
14:05 Uhr
“Se Tikket ju häf oldeled is nott ischjued by blitisch äilwäis, so plies kontäkt se kässäi pässiffikk äilline tuh tschäinsch jul buckings!“ flötet uns die Dame entgegen. Noch bevor wir etwas erwidern können, macht es klick, das Gespräch wurde automatisch beendet und die Guthabenanzeige auf dem Handy zeigt: 0,00 Baht an.
14:10 Uhr
Uns knurrt der Magen, wir laden das Handy auf, rufen Cathay Pacific an, buchen unseren Flug auf den nächstgelegenen Termin und gehen frustiert was essen. Das Essen war – wie hätte es heute anders sein können – a) kalt und b) kaum genießbar.
15:30 Uhr
Der Schneider ist mit der Travellerhose entweder durchgebrannt oder selbst beim Lunch. Die Wäscherei ist mit den Klamotten noch nicht fertig und für die Floating Markets, die wir u.a. heute besichtigen wollten, ist es jetzt eh zu spät.
16:00 Uhr
Zurück im Hotelzimmer wollen wir um eine Nacht verlängern, weil wir ja unseren Flug verschoben haben. Leider ist das Hostel die nächsten Tage ausgebucht. Also wieder ans Internet und ans Handy und versucht, eine neue Bleibe zu finden.
16:30 Uhr
Der Tag ist fast rum, zustande gebracht haben wir wenig, von dieser wunderschönen Stadt der Engel haben wir erst recht nix gesehen. Gewurmt überlegen wir uns, den Tag wenigstens nett ausklingen zu lassen. Die Skybar mit einem tollen Blick über Bangkoks Nachtleben ist genau das richtige.
20:00 Uhr
Wir nehmen die Bahn, müssen einmal umsteigen, fahren noch ein Stück mit dem Tuk-Tuk, finden den Tower nicht gleich doch dann liegt der Eingang der Skybar vor uns. Eintritt allerdings nur mit geschlossenen Schuhen, die Verena nicht an- und Jan gar nicht mehr hat.
Verena, ehemalige Discoqueen mit jahrelanger Erfahrung des Überlistens noch so resoluter Türsteher, die noch nie vor einem exklusiven Club hat umkehren müssen, kocht fast über. Uns bleibt nix anderes übrig, als mit dem Taxi wieder in unser Viertel am anderen Ende der Stadt zu fahren.
21:30 Uhr
Nach einer Weile hält auch eines der pinkfarbenen Transportiergeräte vor uns an. Wir versuchen dem Fahrer zu erklären wo wir hin wollen, er nickt unsicher und fährt los. An der ersten roten Ampel lässt er sich ein zweites Mal die Karte von unserem Guesthouse zeigen, die Verena vorausschauend mitgenommen hat. Dort ist eindeutig, sogar mit Zeichnung, genau erklärt wo sich unsere Bleibe befindet.
Nun wird dem Fahrer klar, dass er durch die ganze Stadt muss – und er schmeißt uns aus seinem Taxi wieder raus. Ehe wir so richtig kapiert haben, was hier passiert, stehen wir völlig verdattert wieder am Straßenrand. Uns ist jetzt grad alles zu blöd, wir nehmen die Bahn, gehen den Rest zu Fuß, sind nach weiteren 45 Minuten Fahrt wieder im Hotel und beschließen Bangkok früher zu verlassen als eigentlich geplant. Morgen noch ein etwas Kultur, soll neben den Shopping Malls und gefälschten Gucci-Taschen ja auch noch ein paar Tempel geben, und dann weg hier. Nach 9 Wochen Südostasien freuen wir uns tierisch auf Verenas Wahl-Zweitheimat – Australien!
7 Kommentare »
am 18. November 2009 um 20:05 1.P to B schrieb …
Der Hammer! Aber es kann nicht jeden Tag Sonnenschein geben! Auch ich könnte nun wieder von einem ähnlichem Tag im Büro berichten, aber das lassen wir mal!
Wünschen Euch einen guten Flug und freuen uns dass ihr gesund seid!
Grüße A + P
am 18. November 2009 um 23:42 2.Scali schrieb …
Ich erzähl Euch mal den anstrengenden Tag von Amazing P – von 15.00 – 17.00 hatter Sekt gesoffen und Tiramisu mit Mohnstrudel gefuttert – davor und danach hat er sich über meine Sisyphus-Arbeit lustig gemacht…soviel zum Thema Stress…hier noch die Fußballergebnisse: Deutschland – Elfenbeinküste – 2:2
Gud N8
am 20. November 2009 um 02:09 3.Uncle schrieb …
Den Bericht zu lesen, war immerhin ein Vergnügen.
Und die Bilder, two tuskers inclusive, sind prachtvoll!
Bis dann, Daunander Ankel
am 20. November 2009 um 17:31 4.Klaus schrieb …
So lustig hätte ich mir die Weltreise gar nicht vorgestellt – besonders natürlich für die anderen. Aber Verena hatte ja auch etwas zu lachen ….
Hier gibt es heute Martinsgans im “Blauen Aff”.
Beste Grüße nach Thailand
P & R
am 20. November 2009 um 19:16 5.TT-Toto schrieb …
Hi Ihr 2! Wie gehts Euch? Wir schicken schöne Grüße aus dem möchtergern Frühling hier in Deutschtown bei Sonnenschein und + 15 Grad mittags.
Wir wünschen Euch viel Spaß in Australien und macht schön die Känguruhs unsicher. Aber aufpassen, haben gerade im Fernsehn Bilder von größeren Feuern, in Süd-Australien glaube ich, gebracht. Also nicht den Hintern verbrennen
)
Weiterhin viel Spaß auf Euerer Tour rund um die Welt.
Es grüssen Euch ganz herzlich
Torsten und Diana
am 22. November 2009 um 08:07 6.Nathalie schrieb …
Ha, ich lese gerade nur Blog-Einträge mit scheiss Tagen…nett nett, bin ich nicht die Einzige auf dieser Welt die mal einen schlechten Tag hat
Geteiltes Leid ist halbes Leid…
Ich muss dafür alleine in einem super Restaurant alleine super Käse essen und alleine super Rotwein trinken
auch nicht gerade berauschend, das Ganze wäre so toll, wenn nicht alleine…!
Nathalie
am 17. Dezember 2009 um 10:05 7.Dani schrieb …
Ich lach mich schlapp…super geschrieben !!! Ich konnte mir alles soooo bildlich vorstellen ! Ihr habt ein echt geiles Leben zur Zeit